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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Der Bilderschmuck der katholischen Kirche
Friedeberg, 14. August.
Neumärkische Zeitung   16. August 1929

Der Kirchenmaler Hans Lietzmann (Berlin) hat seine künstlerischen Arbeiten in der neuen katholischen Kirche vollendet. Über dem Haupteingang „Der gut Hirte“, eine Darstellung, die wenig der Erklärung bedarf. Das Bild bildet gewissermaßen eine lyrische Vorbereitung auf die dramatische Bildwirkung des Altarbildes mit dem Motiv: Vision des heiligen Franziskus auf dem Monte Alvernia, bei welcher er die Stigmata (Nägelmale) bekam. Nicht der gekreuzigte Heiland, sondern ein Seraph, am Kreuz hängend, erschien dem Heiligen. Rechts auf dem Bilde ein steiler Felsen mit Teilen des Klosters, der Wirklichkeit entsprechend; zwei Klosterbrüder knien betend vor dem in Verzückung geratenen Heiligen. Der links neben Franziskus sitzende Hase deutet auf die Natur- und Tierliebe des Mönches hin. Zu beiden Seiten des Hauptbildes stehen der heilige Antonius, ein Hauptschüler von Franziskus und die heilige Klara. Darüber breiten sich Blattornamente aus mit Singvögeln aus dem deutschen Walde in Erinnerung an die berühmte Vogelpredigt. Interessant ist es auch, etwas über die Technik der Bilder zu hören, „Enkaustik“ genannt. Berühmte Maler der Antike haben sie erfunden. Inschriften an Sarkophagen ägyptischer Mumien sind in derselben Art entstanden. Diese Technik wurde erst vor kurzer Zeit wieder entdeckt und in Norddeutschland hier in unserem Kirchenbau zum ersten Male angewandt. Die heißen Wachsfarben (elektrisch geheizte Palette) werden mittels Pinsels auf heizen Eternitschiefer gemalt. Die Vorteile dieser Technik bestehen in der ungewöhnlichen Leuchtkraft der Farben und absoluten Widerstandsfähigkeit dem Lichte, der Feuchtigkeit und den Säuren gegenüber. Der Erternitschiefer selbst bekommt nie Risse; so daß nun gewissermaßen hier zwei Kunstwerke geschaffen worden sind, die Ewigkeitswert haben.