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Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Die Wartheniederung im Winter
Küstrin, 8. Februar.
Neumärkische Zeitung     13. Februar 1929.

Dichter weißer Flaum hat sich schützend über Feld und Wiesen über Tal und Hügel gelegt, hat alle Grenzen verwischt alle Unebenheiten ausgeglichen, alles Unschöne verschwinden lassen. Und über Ströme und Kanäle, über Seen und Tümpel hat des winters Künstlerhand Brücken geschlagen, großzügig und schneller als alle unsere Eisen und Betonbauer es vermögen. Die sonst stromdurchwühlte Niederung ist erstarrt, alles Leben scheint gewichen; im sicheren Schlupfwinkel das Heer der Frösche, die sich oftmals zum Massenkonzert vereint, von der Bildfläche verschwunden oft all die zahlreichen Wasservögel die zu Hunderten ja zu Tausenden die weit verzweigten Arme der Warthe belebten. Niemand kann mehr den wahren Charakter der Niederung erkennen. Nur die trauernd am Damm stehenden Weiden, die ihren Kronenschmuck zum Schutz der Dämme und auch zu ihrem eigenen, schon wieder haben opfern müssen und die mächtigen Bogen der Brücken deuten auf das lebenswichtige aber auch so gefahrenreiche Element, das Wasser.
In ihrer Gleichförmigkeit erscheint die Bruchlandschaft unendlich weit. Selbst am Horizont findet unser Blick heute keinen Halt. Die Hügellandschaft im Osten, der Baumumsäumte Damm zwischen den Wassern und die sonst sich drüben abhebenden Türme und Essen schauen aus grauweißem Schneeverheißendem Himmel, der jede Horizontbegrenzung aufgehoben hat, nicht mehr heraus. Des Winters eisiger Hauch sucht unbarmherzig jeden Schutz zu durchdringen; selbst Krähen und Raben zwingt er auf Minuten hinter eine Schneedüne zusammengekauert zu verschnaufen. Nur ein schmaler Arm der Warthe zwischen den Brücken trotzt noch immer dem Winter. Nicht einmal 25 Grad unter Null haben ihn zum Erstarren bringen können. In dichter Wolke lagert Wasserdunst darüber, der sich in dicken Schwaden westwärts wälzt, auf hundert Meter die Straße in undurchdringlichen Nebel hüllend. Und vor unseren Augen vollzieht sich da ein Winterwunder; an den Zweigen der Bäume und Sträucher wandelt sich der Dunst zu blitzblanken leuchtenden Kristallen. Die prächtigste Raureiflandschaft ist fertig.       
-tz-