[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Wassersnot in zweierlei Gestalten
Küstrin, 19. Februar.
Neumärkische Zeitung   21. Februar 1929

Wassersnot! In unseren, von Oder und Warthe durchwühlten Niederungen kein unbekanntes Wort, kein guter Klang! Wassersnot! Ein Alarmruf, den der Draht mit Blitzesschnelle weiterträgt, um den in ihrem Besitz Gefährdeten noch die Möglichkeit zur Rettung zu geben, wenn die Wasserfülle die Fesseln des Strombettes sprengt und Verderben bringend herannaht. Wassersnot! Ein Klagegesang von begrabenen Hoffnungen, von bitterschwerem Kampf ums Dasein, von gebrochenem Lebensmut. Wassersnot! Ein uralter Seufzer schon unseren Vätern und Vorvätern vertraut, den wir jahraus , jahrein immer wieder hören, wenn wochen- und monatelang ertrag verheißende Felder von den Fluten begraben, fruchtbare Äcker versandet, saftige Wiesengründe verschlammt und ausgelaugt werden. „Rettung aus Wassersnot!“ Gerade in den letzten Jahren ist dieser Notschrei kaum einmal verstummt. Völlig bannen wird sich diese Gefahr überhaupt nicht lassen; aber Menschenkräfte werden - im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit - versuchen, in den kommenden Jahren weitere Gebiete dem Wasser zu entreißen.
Das Wassersnot auch einen anderen Klang haben kann, das haben die letzten Wochen bewiesen, die unserem Zeitalter der „Rekorde“ zwei neue Höchstleistungen gebracht; seit mehr als hundert Jahren den kältesten Tag und den größten Mangel an Wasser. Dorf und Stadt sind gleichermaßen davon betroffen; in den Dörfern die meisten Brunnen eingefroren, die Bewohner auf getauten Schnee oder meterstark zugefrorenen Gräben zur Wasserentnahme angewiesen; in den Städten die Hausleitungen, vielfach auch die Hauptleitungen, vom Frost erstarrt, ein Wandern mit dem Wassereimer heute hierhin, morgen dahin, ein Anstehen an den mit Salz oder durch Koksöfen aufgetauten Hydranten oder an den Wasserwagen, als seien die „jetzigen“ Zeiten der Zwangswirtschaft wiedergekehrt, wo so beinahe alles - Wasser allerdings noch nicht - auf Marken erstanden werden mußte. Wenn diese Wassersnot uns Menschen auch manche Unbequemlichkeit bringt, zu ertragen ist sie noch immer. Aber welche Verheerungen richtet der Mangel an diesem lebenswichtigen Element in der Tierwelt an! Ein Trauern und Vergehen, wohin wir blicken.
Der Sonne warmer Strahl wird zwar bald den Bann des Winters brechen. Doch bangend taucht da die neue Sorge auf, wird uns der Lenz nicht wieder die andere noch größere Wassersnot bringen? Hoffentlich kommt es so, wie es in den alten Sprüchen steht.

„Nicht zu wenig, nicht zu viel!“
„Mittelstraß’ das beste Maß!“