Erneute Sturmschäden in der Neumark
Neumärkische Zeitung 17. Oktober 1926
Liebenow.
Der Sturm hat in unserem Dorfe großen Schaden angerichtet. Von den Obstbäumen ist das Obst, soweit es noch nicht gepflückt war, fast restlos abgeschüttelt worden. Viele Äste und Zweige sind geknickt und auch ein mächtiger Kastanienbaum, der auf dem Grundstück des Besitzers Otto Krüger stand, ist entwurzelt worden. Der Baum fiel gerade zu der Zeit, als eine Kuhherde vorbei getrieben wurde. Er streifte bei seinem Fall, bei dem er sich quer über die Straße legte und diese auf eine ganze Zeit sperrte, zwei Jungen, die aber glücklicherweise wieder weiterlaufen konnten, nachdem sie sich von ihrem Schrecken erholt hatten. Eine Kuh, die dem Arbeiter Hellendrung gehört, wurde ebenfalls getroffen, und zwar so schwer, daß sie jedenfalls geschlachtet werden muß. Durch den umfallenden Baum sind die Telefonleitungen und die Lichtanlagen zerstört, so daß die meisten Einwohner kein Licht hatten.
Borkow.
Der seit einigen Tagen herrschende orkanartige Sturm richtete auch hier vielfach Schaden an. Starke Äste wurden von den Bäumen gelöst und über die Wege gelegt. Strohmieten wurden umgedreht und loses und ungebundenes Stroh über das Feld gestreut. Zum Teil noch gut erhaltene Zäune und Tore wurden umgelegt. Das Pflücken des Dauerobstes kann fast erspart werden, denn es liegt angefallen und beschmutzt unter den Obstbäumen. Auf einigen Stellen wurden ältere Bäume oder deren Kronen von dem Orkan abgedreht. So ist wohl bei jedem Besitzer ein kleinerer oder größerer Schaden zu verzeichnen. Auch im Nachbarort Czettritz machte sich der Sturm an allem, was nicht niet - und nagelfest war, zu schaffen. Obst und andere Bäume wurden beschädigt. An Dächern, Zäunen usw. müssen zum Teil größere Reparaturen vorgenommen werden.
Berlinchen.
Am Dienstag trat der Südwest - Sturm mit neuer Heftigkeit auf. Der See raste und als einige allzu kühne Segler kaum aus der geschützten Nordecke heraus waren, fasste sie wütend der Sturm. Die Takelage zerriß und das Boot mit den Insassen wurde unweit der Freibadestelle „Freitagsgarten“ ins Rohr geworfen. Nur watend konnten die Segler ans Land Kommen.
Gottschim.
Der große Sturm der letzten Tage richtete hier wiederum Verwüstungen an. Er riß Ziegel von den Dächern, entwurzelte einige starke Pappeln auf der Wiese der Witwe Gohlke. Auch in den Waldungen der staatlichen Forst wurden viele Bäume entwurzelt oder beschädigt.