Das Schöpfwerk in Pollychen
Neumärkische Zeitung 11. Dezember 1930
Der feuchte Sommer dieses Jahres ließ dem Bruchbewohner für den Winter nichts Gutes ahnen, er war das erste Anzeichen für kommendes Hochwasser. Selbst die Optimisten wurden immer kleinlauter, als auch der Herbst große Niederschlagsmengen brachte. Und dann kam das Wasser und kroch langsam auf die Wiesen, und weiter nach grünen Ackerfeldern. Hochwassersnot herrschte wieder einmal im Bruch. Und in dieser Hochwassersnot sollte sich nun zum ersten Male die Leistungsfähigkeit des Pollychener Schöpfwerkes zeigen. Das Pollychener Schöpfwerk soll nicht nur die südlichen gelegenen Ländereien der Gemeinde Pollychen vom Wasser befreien, sondern auch den Gemeinden Alexandersdorf mit Eichfuhr, Johanneswunsch und Morrn das Wasser nehmen; denn Zuleitungsgräben aus diesen Gemeinden führen dem Werke ihr überflüssiges Wasser zu.
Der Bau des Schöpfwerkes war bereits im März 1928 beendet, wohl trat das Werk auch ab und zu in Tätigkeit, aber zu einer gewissen Dauerleistung kam es bisher nicht. In diesem Jahre begann das Werk am 10. Oktober seine Arbeit und zwar wurde nur nachts geschöpft, um den billigeren Strompreis auszunutzen. Da das Wasser sich vor dem Werke immer mehr ansammelte, begann der Tag- und Nachtbetrieb am 10. November. Von diesem Zeitpunkt an ist das Werk ununterbrochen in Betreib. Das Schöpfwerk hat zwei Vertikal – Unterwasser - Kreiselpumpen. Der Antrieb erfolgt durch elektrische Motoren. Ihren Strom nahmen diese Motoren aus einer 150 000 Volt Leitung, die eigens für das Werk vom MEW. errichtet wurde. Der kleinere Motor hat eine Leistung von 65 PS, der größere hat eine Leistung von 95 PS. Es genügte bisher, wenn immer nur eine Pumpe im Betreib war; denn die Fördermenge der Pumpen ist doch recht erheblich. Die kleinere Pumpe hat eine Höchstleistung von 1400 Litern in der Sekunde und die größere gar von 2000 Litern pro Sekunde. Vom 10. November an werden durchschnittlich in der Sekunde 1800 Liter Wasser gepumpt, das ergibt eine Tagesleistung von 155 520 000 Litern; demnach hätte das Werk vom 10. Nov. bis 10. Dezember rund 4 665 600 000 Liter Wasser geschöpft. Mit steter Gleichmäßigkeit arbeiten Motore und Pumpen, die von den Maffei- Schwarzkopfwerken (Berlin) geliefert wurden. Es ist interessant, in die fünf Meter tiefen Pumpenschächte zu blicken und die Arbeiten der Kreiselpumpen zu sehen, wie sie die Wassermassen durch einen 20 Meter langen betonierten Kanal von 2,4 Quadratmeter Durchflußfläche in die Warthe drücken. Das Schöpfwerk hat bisher voll den Ansprüchen Rechnung getragen. Das zulaufende Wasser kann stets auf normalem Stande gehalten werden. Motore und Pumpen arbeiten bis jetzt ohne Störungen, trotz der nunmehrigen Dauerleistung. Die Wartung des Werkes liegt in den zuverlässigen Händen des Fischers und Landwirtes Otto Rapsch.
Während früher die südlich gelegenen Ländereien unter diesen Wasserverhältnissen einem riesengroßen See glichen, bemerkt man jetzt auf diesen Feldern keine Überschwemmungen. Viel trauriger sieht es hingegen im Norden der Gemarkung Pollychen aus. Hier ist wieder manches Ackerstück mit wertvoller Saat überflutet. Doch hoffentlich werden auch hier die Wallbauten an der Netze und das geplante Schöpfwerk zwischen Zantoch und Pollychen Wandel schaffen.