[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Ostmärkische Winterberichte aus alter Zeit
Aus Hausbibeln und Gebetbüchern
Neumärkische Zeitung   23. Februar 1929

Die Schnee- und Frostzeit des diesjährigen Winters lockt zu vergleichen mit früheren zurückliegenden Jahren. Wenn auch aus jenen fernen Tagen nur wenig einwandfreie Wärmemessungen vorliegen und auch diese nur aus größeren Orten, so verraten uns doch die zahlreichen wetterkundlichen Eintragungen in alten Hausbibeln und Gebetbüchern mancherlei.
So erfahren wir aus den alten Chroniken der mittleren Ostmark, daß die strengen Frostjahre 1739/40, 1802/03, 1840 verheerend für den Weinbau unsere Heimat gewesen sind. Bis in die Wurzeln hinein erfroren die Rebstöcke, und viele Winzer gaben ihr Gewerbe auf.
Auch das Tirschtiegeler Kirchenbuch berichtet über den „sibirischen“ Winter 1785: „Mit dem 1. Januar des 1785. Jahres fing sich ein so strenger Winter an, dergleichen sich wenig zu erinnern wussten. Die Kälte dauerte in einem fort, so daß man bis zu Himmelfahrt einheizen mußte. Das merkwürdige war, daß es auch binnen der Zeit fast in einem fort schneyete, und da der Schnee stets liegen blieb, so konnte am Ende fast niemand mehr aus oder ein. Fast durchgängig lag er anderthalb Ellentief, an manchen Orten aber noch tiefer. Viel Menschen die sich auf die Reise machten, kamen ums Leben und blieben im Schnee stecken. Selbst die Tiere litten Noth, und die Hasen kamen in die Städte und Dörfer, und suchten Zuflucht. Weil niemand wegen des großen Schnees nach den Gärten gehen und sehen konnte, so hatten diese Tiere aus Hunger allenthalben die Obstgärten ruieniret und die schönsten Bäume beschälet. Endlich ging der Schnee um Jubilante auf, und da entstand eine große Waßersnot.“
Die Schwiebuser Chronik erzählt, daß man am 16. April 1785 noch im Schlitten gefahren sei.
Eine Brätzer Eintragung in einem alten Andachtsbuch lautet: „1823 den 1. Januari am Neujahrstag ward eine große Kälte, es wurde auch immer kälter von einem Tag zum andern, es dauerte ziemlich den gantzen Januar hindurch, daß die Menschen, die in das Wetterglaß haben gesehen, die Kälte bis 25 Grad bis 26 Grad, ein paar Tage auch 28 Grad gestanden hat, es war schon etwas kalt vor Weihnachten, daß viele alte Menschen von solcher Kälte sich wönig zu besinnen wußten. Ehe es aber so heftig kam, fühl ein halbe Elle tief Schnee, der bedeckte die Kornfelder, daß die Saat nicht erfrieren konnte, es wurde auch schönes Korn, auch wohlfeil.“
Auch 1828 - es fiel schon am 29. Oktober eine Menge Schnee - und 1829 brachten viel Schnee und grimmige Kälte.
„Im Jahre 1830 war der Winter heftig kalt, den Martintag (10.11.) taht es schon Einführen, es wurde auch immer kälter in einem fort bis 8 Tage nach Lichtmeß dreizehn Wochen lang. Und ein paar Tage vor Weihnachten kam so großer Schnö über eine anderthalb Ellen tief, das viele Menschen des Abends auf der Straße sich verlaufen tahten, von dem kalten Sturm erfrieren mußten.“
(Brätzer Familienchronik)