Pollychen in Hochwassernot
Neumärkische Zeitung 15./16. November 1930
Das Hochwasser der Warthe und der anhaltende starke Weststurm brachten für unser Dorf fast eine große Katastrophe. Am Donnerstag bemerkte man zwischen dem Schöpfwerk und dem Dorfe, also in unmittelbarer Nähe der Gebäude, eine erhebliche Unterspülungsstelle des Warthewalles. Kleine Wasserbäche sickerten durch und spülten immer größere Löcher in den Wall. Das Dorf war in größter Gefahr. Ein Dammbruch hätte vollständig verheerend wirken müssen. In vorbildlicher Weise arbeiteten aber Gemeindebehörde und Einwohnerschaft zusammen. Man ließ alle anderen Arbeiten liegen und eilte zu der Gefahrenstelle. Bald nach Meldung der Gefahr traf auch der Deichhauptmann, Ritterschaftsrat Delius (Morrn), in Pollychen ein. Seinen umsichtigen Anordnungen ist es zu verdanken, daß die Arbeiten sofort fachgemäß begonnen wurden. Sandsäcke und Faschinen waren bald zur Stelle, viele Gespanne fuhren ferner Erde und Sand, und in fieberhafter Eile suchte man das nahende Unglück abzuwenden. Die gemeinsamen Bemühungen der Deichverwaltung, der Ortsbehörde und der Einwohnerschaft wurden belohnt. Die Stelle scheint vorläufig gesichert, da die Unterspülung eingedämmt ist.
Sandwerder, 14. November.
Da das Hochwasser weiter gestiegen ist, sind die Gehöfte völlig vom Wasser umgeben. In der Richtung nach Zantoch zu bilden die Wasserfläche einen großen See, der bei dem herrschenden Wind ziemlich bewegt ist. Dagegen ist der Wasserstreifen in Richtung Czettritz ziemlich schmal und daher der Wall leicht zu erreichen. Sämtliche Kinder kommen auf Kähnen zur Schule.