[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
 
Merkwürdige Naturereignisse
Landsberger Generalanzeiger  3. Mai 1937

Wenn wir in den alten Chroniken der Städte blättern, so finden wir manches Ereignis aufgezeichnet, das uns heute merkwürdig erscheint, dass aber trotzdem wahr ist. Auch die Chronik von Landsberg weist verschiedene Begebenheiten aus alter Zeit auf, die verdienen, obwohl sie teilweise trauriger Art sind, wegen ihrer Besonderheit wieder einmal erwähnt zu werden. So heißt es in alten Aufzeichnungen z. B., dass am 17. März 1473 bereits alle Bäume blühten. Es regnete dann jedoch von Pfingsten bis Mitte September nicht, so dass Flüsse und Bäche austrockneten. Man konnte in den Mühlen kein Korn mahlen, die Saat verdarb, man beobachtete feuerspeiende Berge in der Umgebung, und das Brunnenwasser musste  „um Geld" gekauft werden. Auch 1503 trockneten die Brunnen und Bäche aus, so dass es Missernte und Teuerung gab und die armen Leute vor Hunger Blätter und Zweige junger Bäume, Wurzeln und Kräuter aßen. Im Jahre 1542 kamen dann die Heuschrecken nach Landsberg, und zwar in solch unglaublicher Menge, dass sie gleich einer Wolke die Stadt verdunkelten. Natürlich richteten sie infolge ihrer Gefräßigkeit auch großen Schaden an. Die Heuschrecken starben freilich später, infolge der stark einsetzenden Kälte, aber es sollen auch noch Krankheiten durch die Insekten aufgetreten sein.
Ein recht erfreuliches Ereignis war jedoch der riesige Krebsfang im Anfang des 16. Jahrhunderts. Die Zahl der Krebse war in der Gegend von Landsberg so groß, dass man 6 Schok der besten Prachtexemplare für 6 Pfg. verkaufte. Das blieb lange Zeit hindurch so, und noch 1701 kosteten 2-3 Schok nur 6 Pfg. 1717 bis 1719 fütterte man sogar die Schweine damit. Zu Küstrin wurden von 100 Schok durchgehender Krebse 1 Schok als Zoll entrichtet und dieser Zoll betrug in einem Jahr 325 000 Schok, so dass also 32 ½ Mill. Krebse daselbst versteuert wurden.
Recht unangenehmer Art war 1732 ein Unwetter, bei dem Hagelkörner so groß wie Taubeneier vom Himmel gefallen sein sollen, sowie ein Unwetter am 15.Februar 1734 bei dem angeblich ein Feuerklumpen aus den Wolken fiel und die Stadtkirche traf, jedoch nicht zündete. 1737 verzeichnete man bei einem gewaltigen Sturm sogar Erderschütterungen. Schließlich sollen auch noch die Kältetage von 1739 - 40 erwähnt werden. Der Winter dauerte damals vom 29. September 1739 bis Johannistag 1740, an dem es noch fror und schneite. Anfang Mai erfroren noch Pferde und Menschen unweit Beyersdorfs. Infolge der außergewöhnlichen Kälte kam es zu später Ernte und Teuerungen, so das man für einen Scheffel Roggen 1 Tal. 20 Gr. und für einen Zentner Heu einen Taler zahlte. In diesem harten Winter verlor auch die Gegend bei Landsberg ihre Weinberge.                      -S. G.-