Die letzten Ordenskämpfer
Im Gebiet der Grenzmark Posen- Westpreußen.
Von Ernst Fritz Brüning, Schneidemühl.
Neumärkische Zeitung 27. Februar 1929
In der Westmark der Ordensherrschaft hatten treue deutsche Freunde das Panier des Meisters der Marienburg dreizehn Jahre hochgehalten. Da sollten auch Schlochau und Konitz, die Wehrburgen der Ritter im Schlochauer Komtureibezirk an der Straße ins Mutterland, sich ergeben. Das treue Konitz, das eine Zeitlang dem Hochmeister Herberge und Schutz gegeben hatte, mußte die Ordenssöldner unter dem tapferen Kaspar Nostiz verlassen. Die deutschen Gaue von Küddow bis zum Geserich konnte der weiße Adler 1466 im zweiten Thorner Frieden erlisten, weil deutsche Männer kleinliche Vorteile suchten und darob uneinig und schwach wurden.
Es muß die Zähigkeit bewundert werde, mit welcher der sterbende Orden noch von Königsberg aus die Wiedererlangung seiner alten Größe erstrebte. Hochmeister aus deutschen Fürstenhäusern verwehrten dem polnischen Nachbarn den Lehnseid. Ja, Markgraf Albrecht verließ sich noch einmal, da eine friedliche Verständigung ausgeschlagen wurde, auf das Glück der Waffen. Im so genannten Reiterkriege, der 1519 begann, kamen auch Söldner aus dem Reich nach dem Osten, um dem Orden beizustehen. Geschlossen kam das Heer auf der großen Straße von der Oder her auf Meseritz zu. An der Grenze wurde es von polnischen Truppen angegriffen. Da die Ordensherrschaft den Sold nur auf zwei Monate gezahlt und Vorschüsse nicht rechtzeitig erneuert hatte, kehrte eine Hälfte um, und ein Teil dachte sich in kleineren Trupps durchzuschlagen. Mehrere Fähnlein vereinigten sich und suchten die Grenzkette zu sprengen und die Meseritzer Feste zu erobern. Allein, der Generalstarost Graf Lukas Gorka, der auch im Kroner Lande begütert war, ließ die Ordensmannen angreifen und zum Rückzuge zwingen. Aus dem Zwischenstromlande sandten die Ordenssöldner ihre Kundschafter nach Norden und Süden, um ein Ausfallstor zu erspähen. Schlochau und Konitz waren stark besetzt, in den Wäldern steckten Verhaue, und der Weg durch Pommern wurde ihnen durch den Herzog Bogislaw, welcher ein Schwager des Polenkönigs war, abgeschlossen. Sie gingen deshalb kämpfend den Weg zurück, den sie gekommen waren, und begaben sich, noch 3000 Mann stark, nach Dänemark, wo sie Dienste annahmen.
Im Jahre 1520 kam ein Söldnerheer unter dem Hauptmann Wolf von Schöneberg, 16 000 Mann Fußvolk und 1000 Kürassiere, dem Orden zu Hilfe. Die Krieger hatten Kreuze auf ihren Schultern, die der Erzbischof von Magdeburg ihnen hatte anheften lassen, und sie nannten sich: Deutsches Heer. Noch hatte sich das Bewußtsein, daß die Niederlage des Ordens eine große Schmach für Deutschland bedeute, nicht ganz verloren. Auch diese Söldner warfen sich zuerst auf Meseritz, das von wenigen Polen, die ein Mönch anführte, verteidigt wurde. Bei dem Sturm auf das feste Haus rettete sich die Besatzung auf Kähnen über die Warthe und suchte ihr Heil in der Flucht. Das Schloß wurde verbrannt. Darauf wollten die Ordenskämpfer ins Schlochauer Gebiet ziehen, um in den ordenstreuen Orten zu rasten. Jedoch bei Wongrowitz verlegte ihnen der König den Weg. Nun wandte der Hauptmann von Schönberg eine Kriegslist an, indem er sich anschickte, als wolle er gegen Polen marschieren. Diesen Platz zu sichern, löste sich der Feind und zog voran. Das deutsche Heer aber schwenkte nach Norden ab und kam über die Pässe bei Usch und Hochzeit in das Gebiet der Grenzmark Posen- Westpreußen. Über Tütz und Dt. Krone einesteils und Schneidemühl und Jastrow zogen die Deutschen ins verlorene Ordensland. Anhänglich, wie ehedem, öffneten sich überall die Türen und Herzen für sie. Ohne auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen, durchzog Schönbergs Haufe die Tuchler Heide, ganz Pommerellen und das Danziger Gebiet. auf dem Rückmarsch konnte das Schlochauer Ländchen nur von einzelnen Fähnlein gestreift werden. Der Haupttrupp ging über Schivelbein ins Reich. Da Preußen 1525 ein weltliches Herzogtum wurde, hat unsere Heimat später nicht mehr Ordenskämpfer beherbergen dürfen.
Geblieben aber ist den deutschen Bewohnern an der Grenze hüben und drüben der Glaube an die große Mission des Geistes der Marienburg. An der Netzebrücke bei Dt. Filehne steht ein Ordensritter aus Stein, ein Kämpe, der nach Osten schaut, dem Lande der Burgen und festen Fäuste. Ein schönes Denkmal auf dem Wege der letzten Ordenskämpfer.