Das Riesenfeuer in Wormsfelde
Neumärkische Zeitung 30. August 1929
Durch Funkenflug verursacht?
Elf Wirtschaften zum größten Teil eingeäschert.
Furchtbarer als es sich menschliche Einbildungskraft je vorstellen könnte, hat das feurige Element in Wormsfelde am Mittwoch gewütet. Was mühselige, jahrzehntelange Arbeit geschaffen, wurde zu Rauch und Asche. Und vor den übrig gebliebenen Trümmern, die kurz vorher noch stolze Gebäude waren und den Segen der letzten Ernte in sich bargen, stehen Frauen, Männer und Kinder. Die Männer verbissen, weinend und wimmernd Frauen und Kinder. Furchtbar das Los, das ihnen zu Teil wurde! Und darüber lachte durch Qualm und Rauch die Sonne. Hin und wieder drohendes Fragen, Wutverhalten, verzweifelt:
Wer hat das Feuer verursacht?
Niemand weiß die Antwort. Still lag das Dorf im Sonnenglanz. Ein jeder ging friedlich seiner Arbeit nach. Plötzlich gegen zehn Uhr ein Schreckensschrei von irgendwoher: Feuer!
Auf dem Strohdache des Händlers Schreyer brannte es lichterloh, jedoch in kleinem Umfange. Ehe man es sich aber versah, stand das ganze Dach in Flammen. Ein plötzlicher Windstoß durch die unheimliche Hitze verursacht warf das Feuer auf das Nachbargebäude des Landwirt Adam, das sofort in Flammen aufging. Damit nicht genug, der Wind wurde heftiger, das Feuer raste die Dorfzeile entlang. Eine viertel Stunde weiter, als die Landsberger Feuerwehr heransauste, standen acht Wirtschaften in Flammen.
Die Bevölkerung des Dorfes, verzweifelt, noch nicht fähig die ganze entsetzliche Wucht des Ereignisses aufnehmen zu können, eilte kopflos ein her. Einige Besonnene stürzten in die Ställe und trieben das Vieh hinaus, liefen in die Wohnungen warfen Möbel, Betten, Wäsche und Bilder aus den Fenstern. Andere bestürmten die Landsberger Wehr, die ihre 2000 Liter und 1000 Liter- Motorspritzen kurz entschlossen am Haussee aufstellten und in Betrieb setzten. Schlauchleitungen über Gutshof und Garten wurden gelegt; alles das Werk weniger Augenblicke. Dann ein kurzes aufatmen; es gibt Wasser! Aber das Element war übermächtig! Schon sprang das Feuer über die Straße, faste das Strohdach einer Scheune auf dem Nieskeschen Gehöft.
Verzweifelt die Lage!
Soll das ganze Dorf ein Raub der Flammen werden? Nein!
Die wackeren Wehrleute arbeiteten übermenschlich! Zivilpersonen greifen zum Wassereimer, zu den Schläuchen, arbeiten an den Pumpen: der Journalist neben dem Arbeiter, der Kaufmann neben dem Ackerknecht. Andere Wehren treffen ein aus Stolzenberg, Wormsfelde, Lorenzdorf, Cladow, Zanzin, Himmelstädt, Zanshausen, Zanich und Heinersdorf. Ungezählte Schlauchleitungen gießen ungeheure Wassermassen in die brennenden Gebäude, dass sich ein milchgrauer Qualm niederschlägt, der die Lungen füllt und den Aufenthalt in der Dorfstraße fast unmöglich macht, dazu eine fürchterliche Hitze, daß einigen Wehrleuten die Anzüge angesengt werden. Ein Wasserstrahl darauf- und wieder wird das Stahlrohr gegen die Flammen gehalten. Die Technische Nothilfe eilt herbei, die Fabrikwehr der der Firma Max Bahr.
Dann gegen 12 Uhr- niemand weiß eigentlich die Zeit-, kommt eine Hilfe: im Sturmschritt naht eine Abteilung der 4. (Sächsischen) Nachrichtenabteilung im Stahlhelm heran.
Kurze scharfe Kommandos- und auch die jungen Reichswehrsoldaten helfen retten, retten, retten---
Auch das Wohnhaus des Landwirts Knospe wird vom Feuer ergriffen. Verzweifelt arbeiten die Leute, doch das Element ist mächtiger. Eine Scheune auf dem Gehöft des Landwirts Roggenbach, eine zweite des Landwirts Sommerfeld geht in Flammen auf.
Die Prachtscheunen des Landwirts Kortschak, eben erst fertig gestellt brennen lichterloh.
Haushoch schlagen die Flammen gen Himmel, und der Wind treibt riesige Rauchschwaden gen Nordwest. Feuerwehren aus Friedeberg und Woldenberg rasen herbei, neue Reichswehrabteilungen bis von Friedeberg her, Sanitäter. Ein jeder versieht getreulich seinen Posten. Aber erst gegen 5 Uhr nachmittags ist die Macht des Feuers soweit beschränkt, dass für die übrig gebliebenen Dorfteile keine große Gefahr mehr vorhanden ist. Mit erneuter Kraft geht man an das Löschen noch brennender Trümmerhaufen. Reichswehrsoldaten reißen brennende Strohhaufen auseinander, überall hin ergießen sich noch Wassermassen. Nun sieht man endlich den furchtbaren Schaden, den das Feuer angerichtet hat.
Entsetzen greift an des Menschen Herz: elf Wirtschaften sind zum größten Teil ein Raub der Flammen geworden.
Das Grundstück des Händlers Schreyer ist vollkommen vernichtet. An der Stelle, wo wenige Stunden vorher noch das blühende Anwesen des Landwirts Adam gestanden hat, ist nur noch ein Trümmerhaufen vorhanden. Nichts haben die Leute retten können, als nur das nackte Leben und die Sachen die sie auf dem Leibe tragen. Erschütternd ist das Wort der alten Besitzersfrau:
Nun bleibt uns nur noch der See!
Den Landwirten Beker, Knospe, Segert, Hübner, Sydow, Kortschak, Rieske, Roggenbach und Sommerfeld sind fast alle Wirtschaftsgebäude verbrannt, dem Landwirt Knospe dazu das Wohnhaus. Außerdem büßte der Landwirt Beker drei Rinder und der Jungverheiratete Hübner drei Rinder und drei Schafe ein.
Fast allen Landwirten verbrannte die in den Scheunen eingebrachte Ernte.
Nach unserer Schätzung wurden ungefähr 25 Wirtschaftsgebäude und 3 Wohnhäuser ein Raub der Flammen.
Mag auch ein Teil der Abgebrannten gegen Feuer versichert gewesen sein, der Schaden ist so unermeßlich, dass Jahre vergehen werden, ehe die furchtbaren Stunden vergessen sein werden.
Gegen Abend konnten die Wehren unter Zurücklassung starker Brandwachen heimkehren.
Nun noch ein Wort über die Ursachen! Dem Geschehen nach kann die Feuerbrunst nur durch Funkenflug auf das mit Stroh gedeckte Dach des Händlers Schreyer verursacht haben.