Die Familientragödie in Wormsfelde.
Neumärkische Zeitung 18. Dezember 1925
Wie wir schon gestern kurz berichteten, hat sich in dem sonst so stillen Dorf Wormsfelde eine entsetzliche Familientragödie zugetragen. Seit bekannt werden der Bluttat befindet sich das Dorf in begreiflicher Aufregung. Der Schmiedemeister Bräuer (Wormsfelde) hat scheinbar in einem Anfall geistiger Umnachtung seine Frau erschossen und dann versucht, Hand an sich selbst zu legen, jedoch die Waffe versagte. Am Dienstagabend hat sich diese so überaus traurige Tragödie abgespielt. Bräuer ließ nach der Mordtat seine Frau zugedeckt in der Küche liegen. Am Mittwochmorgen gegen 5 Uhr begab sich Bräuer zu einem Wormsfelder Besitzer und verlangte, nach dem Krankenhaus gefahren zu werden. B. leidet an Schwindsucht und soll durch den Krieg an seinem Verstand gelitten haben. Es ist dort bekannt, daß Bräuer in der Wut sich selbst nicht kannte, ja jede Beherrschung über sich verlor. Noch erinnerlich ist der Vorfall, der sich vor zwei Jahren mit einem Bauer abspielte, der von B. in unerhörter Weise geschlagen worden war. Bräuer ging schon längere Zeit seinem Berufe nicht mehr nach, da ihm die Krankheit an das Bett fesselte. Als er das Ansinnen - nach Landsberg gefahren zu werden - stellte, schöpfte man sofort Verdacht auf eine unheimliche Tat, die sich schließlich bestätigte. Bräuer gestand die Tat sofort ein. Er wurde, wie wir schon berichteten, von dem Landjäger verhaftet; da er aber den Weg nach Landsberg nicht zu Fuß zurücklegen konnte, wurde er von einem nach Landsberg fahrenden Geschirr aufgenommen und in das Landsberger Gerichtsgefängnis eingeliefert. Von der Staatsanwaltschaft begaben sich Oberstaatsanwalt Rohrlack und Amtsgerichtsrat Ritz von der Gefängnisverwaltung, begleitet von Oberlandjäger Schulz und einem Photographen, heute früh nach dem Tatort, wo der Tatort photographisch festgehalten und die ersten Zeugenvernehmungen statt fanden. Bräuer versucht, die grauenvolle Tat auf sein Gefühlszustand zurückzuführen. Die Untersuchung jedoch wird ergeben müssen, was es mit der krankhaften Geistesveranlagung des Bräuer auf sich hat. Ob die Tat aus Familienzwistigkeiten zurückzuführen ist, wird ebenfalls die Untersuchung ergeben. Am bedauernswerten sind die Hinterbliebenen beiden Kinder im Alter von zwei und drei Jahren. Weiter erfahren wir noch zu der Mordsache, daß von dem Mörder als Grund zu der furchtbaren Tat die leichte Erregbarkeit, Jähzorn und Krankheit angegeben wird. An der Mordstelle weilte als Sachverständiger auch Dr. Spranger vom Hygienischen Institut in Vertretung des behinderten Kreisarztes. Bräuer war 4 Jahre mit der jetzt 26 jährigen Tochter des Gastwirtes von Wormsfelde verheiratet. Er selbst steht im 34. Lebensjahre.