Rückblick auf die Ereignisse im Kreise Soldin während des Jahres 1928
Neumärkische Zeitung 3. Januar 1929
Januar
In Soldin beginnt ein Lehrgang für Berufsschweizer. Eine Ortsgruppe des ADAC wird gegründet. In Berlinchen starb die älteste Einwohnerin des ganzen Kreises im Alter von 103 Jahren. Der Verband der Frauenhilfen des Kreises Soldin hielt seine Tagung ab. In Bernstein wird der ununterbrochene Fernsprechdienst eingeführt.
Februar.
In Soldin wurde eine „Vereinigung der Kraftfahrzeugwerkstätten und Reparaturanstalten für den Kreis Soldin“ gegründet. Die Superintendentur wird neu besetzt. Die Gemeindevertretung der Domkirche beschließt den Ausbau der Klosterkirche als Gemeindehaus. In der Stadtverordnetensitzung steht die Erweiterung des Kanalnetzes auf der Tagesordnung. Der Kreislandbund und der Handwerkerverein halten gut besuchte Tagungen ab. Die Soldiner Molkerei erhielt auf der Grünen Woche in Berlin 2 erste Preise. In Berlinchen legt die Pflugfabrik vorübergehend ihren Betrieb still. Der Bau eines neuen Krankenhauses wird ins Auge gefaßt. Lippehne beschließt die Einrichtung eines Selbstanschlußamtes. Rosenthal und Adamsdorf kaufen je eine Motorspritze.
März.
In Soldin werden Mittel für die Erweiterung des Kanalnetzes bewilligt. Eine Jugendpfleger- Tagung findet statt, an der 30 Jugendpfleger sowie Vertreter der Regierung teilnehmen. Das Kreisschulamt wird neu besetzt. Die Stadt hat dem Krankenhause einen neuen Röntgenapparat zur Verfügung gestellt. Der Neubau des Bahnhofsgebäudes schreitet rüstig vorwärts, die Warteräume werden in Betrieb genommen. Das Zollamt siedelt in das eigene, neue Gebäude über. Das Selbstanschluß - Fernamt wird in Betrieb genommen. Nesselgrund beschließt den Bau eines neuen Spritzenhauses. Rittergut Adamsdorf verkauft ein Landschwein im Gewicht von annähernd 10 Ztr.
April.
Der Kreistag genehmigt die Besoldungsordnung und den Etat. Die Stadtverordneten- Versammlung beschließt den Neubau einer Straße, die Besoldungsregelung wird vertagt. Die Gemeindevertretung der Domkirche setzt die Steuern herab. Die Stadt erhält 6 Litfaßsäulen. Berlinchen. Die Feuerwehren des Kreises finden sich zu einer Tagung zusammen. Die Siedlungsgesellschaft beginnt mit dem Aufbau der ersten Gehöfte in Giesenbrügge.
Mai.
In Soldin richtet die Friseur- Zwangsinnung eine Fachschule ein. Landbund, Handwerk und Kaufmannschaft veranstalten Notkundgebungen. Der Erkische Jugendchor gibt ein wohlgelungenes Konzert. Die Stadtverordnetenversammlung einigt sich unter Vorbehalt über den Etat.
Juni.
In Soldin herrscht einige Tage ein ungewohntes Treiben durch die Einquartierung. Zwei Lokomotiven stoßen zusammen, wobei 3 Personen verletzt werden. Das Landwirtschaftsministerium sowie verschiedene Landwirte unternehmen eine Besichtigungsreise durch den Kreis Soldin. Turnverein „Jahn“ in Bernstein begeht seine Fahnenweihe. Das Gut Augusthof ist zu Siedlungszwecken verkauft. Die Einwohner von Giesenbrügge und Umgebung wehren sich energisch gegen die Ansiedlung von Katholiken. In Groß- Fahlenwerder wird der Kreisfeuerwehr- Verbandstag abgehalten. Auf der Staffelder Feldmark wird von ruchloser Hand ein Händler- Ehepaar hinterrücks ermordet. Richnow begeht das Sängerfest des „Neumärkischen Sängerbundes“.
Juli.
Soldin. Die Laubenkolonie „Rosenhain“ wird eingeweiht. Die Turner fahren zum Deutschen Turnfest nach Köln. Berlinchen steht im schönsten Schmuck anläßlich der 650 Jahrfeier. Wuthenow ist durch eine neue Betonstraße mit Hohenziethen verbunden. In Kerkow ist ein Stubenmädchen ermordet worden.
August.
Die Stadtverordneten- Versammlung in Soldin lehnt die Besoldungsordnung ab, was die Gemüter der Beteiligten in heftige Erregung versetzt.
September.
In Soldin wird eine Turnpädagogische Tagung abgehalten. Die Regierung setzt einen Zwangsetat fest. Die Technische Nothilfe hält in Lichtefleck eine große Übung zur Bekämpfung von Waldbränden ab.
Oktober.
Der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger besichtigt die neuen Siedlungen des Kreises. Das Kettenwerk vergrößert sich durch Ankauf eines Grundstückes. Die Bevölkerung wendet sich gegen die Besiedlung des Kreises mit Katholiken. Die Neubautätigkeit hat stark zugenommen.
November.
In Soldin befaßt sich die Stadtverordnetenversammlung abermals mit der Besoldungsfrage und der Erweiterung der Kanalisation. Die Post richtet wichtige Verkehrsverbesserungen ein. In Berlinchen tagen Kreiskriegsverband und Kreislandbund.
Dezember.
In Soldin findet eine Kreistagssitzung statt, daran anschließend wird das neue Heimatmuseum eingeweiht. Die Stadtverordneten versammeln sich zur letzten Sitzung in diesem Jahre. Das neue Kanalnetz wird von der Stadt abgenommen. Das Katasteramt, die Arbeitsamtnebenstelle und die Feuersozietät beziehen ihre neuen Büroräume. In Adamsdorf wird einem Arbeiter die Rettungsmedaille am Bande verliehen.