„Sintflut“ in Altensorge
Neumärkische Zeitung 10. Februar 1929
Eine kurze Erinnerung an den Dammbruch vor 20 Jahren.
War das eine Aufregung, als am 7. Februar 1909, vormittags gegen 9 Uhr, der sonst so friedliche Bestiensee bei Altensorge plötzlich seine Rolle wechselte, mit Hilfe riesiger Schneewassermengen den nach dem Dorfe hin abschließenden Damm durchbrach und seine Wassermassen in einem fast 50 Meter breiten Strom auf die Reise schickte. Zunächst nach dem lieben Altensorge, wo einige Gehöfte unter Wasser gesetzt wurden, dann über die Landsberger Chaussee nach Massow, während sich ein Teilstrom in einen Graben ergoß, hier eine Brücke weg riß und die frühere Wolfsche Wassermühle 30 Zentimeter hoch überschwemmte. Die lieben Altensorger waren nicht wenig überrascht, als sie die Bescherung sahen, erholten sich aber schnell, retteten zunächst, was zu retten war, und alarmierten dann die Landsberger Feuerwehr. Diese rückte an, mit ihr der Städtische Forstdezernent, Landesökonomierat Ebert, und Polizei- Inspektor Brink mit allen verfügbaren Polizeisergeanten, und der Kampf gegen das nasse Element wurde auf der ganzen Linie aufgenommen. Es galt, den Damm wiederherzustellen. Pfähle wurden eingerammt, Faschinen und Sandsäcke niedergelegt, und endlich, am nächsten Tage, gelang es die Bruchstelle zuzustopfen. Als sich die Gemüter in Stadt und Land dann beruhigt hatten und man nochmals die eigentliche Ursache und den angerichteten Schaden ermittelte, wurde festgestellt, daß man aus einer Mücke einen Elefanten gemacht hatte.
Die „Neumärkische Zeitung“ vom 10. Februar 1909 schreibt nämlich:
„Wie sich jetzt herausstellt, sah der ganze Vorgang am Sonntag bedenklicher aus, als er es wirklich gewesen ist. So glaubte man vielfach, daß schon das Wasser auf der Chaussee bei Dechsel aus dem See stammte. Das war natürlich nicht der Fall, es handelte sich vielmehr nur um getauten Schnee; der See liegt etwa zwei Meter tiefer. Schaden erlitten haben anscheinend nur die drei überschwemmten Wirtschaftsgebäude, aber auch hier handelt es sich nur um leicht zu überwindende Nachteile.“ Man soll nachher in Landsberg und Umgebung furchtbar gelacht haben über den 50 Meter breiten Strom, den Wildgewordenen Bestiensee und die Sintflut in Altensorge.