Als man die Quappen noch als Kienspan nahm.
Vom Fischreichtum vergangener Zeiten Küstrin, 11. Januar.
Neumärkische Zeitung 12. Januar 1929
Die Bruchgegend bei Küstrin hat schon immer zahlreichen Fischern lohnende Beschäftigung gegeben. Auch jetzt noch finden sich sowohl in den drei Stadtteilen als auch in den Nachbardörfern Kietz, Warnick und Tamsel viele Familien, in denen schon seit Generationen die Fischerei ausgeübt wird. Groß ist nach wie vor auch noch der Fischverbrauch, aber ganz bedeutend zurückgegangen ist der Fischreichtum des Bruches. Was heute von den Küstriner Fischern auf den Wochenmärkten feilgeboten wird, entstammt nicht mehr ausschließlich der hiesigen Gegend. Die ungeheuren Mengen von Aalen, Karpfen, Zandern, Schleien, Neunaugen usw., die in vergangenen Jahrhunderten hier vorkamen, sind längst verschwunden. Ganz besonders groß war der Reichtum an Quappen, die so zahlreich gefangen wurden, daß sie nicht mehr als Nahrungsmittel verbraucht wurden. Man schnitt die Festesten in schmale Streifen, trocknete diese und benutzte sie dann statt des Kienspans zum Leuchten. Da war es denn kein Wunder, daß der Fischkessel bei den Bewohnern dieser fischreichen Gegend eine so große Rolle spielte. Ja, daß er oft als das wichtigste Stück der Ausstattung betrachtet wurde. Krebse, die heute fast ausschließlich aus den Seen der Nachbarschaft, vor allem aus dem Mohriner See angeboten werden, gab es früher in so ungeheuren Mengen, daß man sie fast geschenkt bekam: Ende des 16. Jahrhunderts das ganze Schock für 1 Pfennig. Der Krebsreichtum brachte für die Stadt Küstrin auch eine recht erwünschte Einnahme. Wurden doch 1 Prozent aller durch die Stadt Küstrin beförderten Krebse als Zoll zurück behalten. Und fast märchenhaft klingt es, wenn der Chronist berichtet, dieser Zoll habe in einem Jahre nicht weniger als 325 000 Schock Krebse betragen. Demnach müßten 32,5, Millionen Schock Krebse versteuert worden sein. Wenn man bedenkt, daß sicherlich auch schon damals der Weg „hinten herum“ nicht ganz unbekannt war und dass ja nach Küstrin nur ein Teil des ganzen Fanges kam, so kommt man zu Zahlen, deren Richtigkeit man mindestens anzweifeln muß. Fest steht jedenfalls, daß vor ungefähr zwei Jahrhunderten der Krebsfang so ertragreich war, daß man die Krebse den Schweinen als Futter hinwarf.