Die Königsberger Oper in Gefahr.
Neumärkische Zeitung 8. Mai 1930
Dringende Hilfe gefordert.
Montagmittag fand im Foyer des Königsberger Opernhauses eine eindrucksvolle Kundgebung der Theaterfreunde für die Erhaltung der Königsberger Oper statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der beiden Königsberger Theater, Rechtsanwalt Dr. Luhmann und die Intendanten Dr. Hans Schüler und Dr. Jaeßner erörterten die Lage der Königsberger Theater. In der Aussprache nahmen Vertreter der Gewerkschaft, der Theaterangestellten und der Vorsitzende des Vereins Königsberger Symphoniekonzerte das Wort. Es wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es heißt: Seit 190 Jahren hat Königsberg ein festes Theater. Königsberg ist auf 600 Kilometer die einzige deutsche Großstadt im Osten, die Theater von künstlerischem Ruf, Willen und Kraft besaß. Als Theaterstadt hat Königsberg durch den starken Besuch den Beweis erbracht, daß die Bevölkerung den Sinn für das Theater nicht nur erhalten, sondern trotz der starken wirtschaftlichen Not wesentlich gesteigert hat. Königsbergs deutsche Mission geht über die Provinz hinaus. Was die Schließung der Oper in Königsberg bedeuten würde, muß ernst und mit vollem Verantwortungsgefühl als die Bedrohung deutscher Kulturarbeit im deutschen Osten gedacht werden. Wir bitten daher, von schwerster Besorgnis um die künstlerische Zukunft deutscher Theaterkultur im Osten erfüllt, die notwendige Summe von 500 000 M. durch Vereinbarung von Reich und Staat für das nächste Jahr, wenn möglich, für eine Reihe von Jahren, zu bewilligen.