[../adb/ihv_1892.html]
[../adb/impressum.html]
[../bilder/ihv.html]
[../stradfen/ihv.html]
[../geschichte/ihv.html]
[./ihv.html]
[Web Creator] [LMSOFT]
Landsberg a.Warthe
(Gorzów Wielkopolski)
Dorfkino
Neumärkische Zeitung    6. Oktober 1931

Bist du, lieber Leser, schon einmal im Dorfkino mit Freilichtbühne gewesen? Nein? Nun, dann ist dir ein Zuwachs an Lebensfreude entgangen. Nicht wegen der Vorgeführten Lustspielfilme, die kannst du dir in jedem anderen Kino sicher besser ansehen, sondern wegen des Milieus, das dich da für einige Stunden umfängt und dich als aufmerksamen und aufnahmewilligen Beobachter alle Erdenschwere vergessen läßt. Sonntagabend  ist’s, und erwartungsvoll betrittst du das Lokal, in dem du nun Asta Nielsen in ihrer neuesten Rolle sehen wirst. Du trittst auf den Hof, der von Ställen flankiert ist. Hier stehen die Stühle für die Zuschauer, und ihnen gegenüber, vom Scheunengiebel herab, winkt die weiße Fläche der Leinwand, ab und zu leicht vom Windhauch gehoben. Ein halb abgestorbener knorriger Birnbaum reckt seine trocknen Äste als Baldachin über die Sitze. Langsam füllen sich die Reihen. Da kommen sie, Junge und Alte, schmachtend verliebte Pärchen und ehrbare Eheleute. Die Stühle reichen nicht aus, und man stellt Bänke auf. Dann endlich geht’s bei zunehmender Dämmerung los. Akt um Akt rollt vor den staunenden Blicken der Zuschauer sich ab, begleitet von herzhaften und treffenden Bemerkungen. Immer mehr steigert sich die Handlung zum Höhepunkt, die Spannung wächst, die Reden verstummen, der Apparat hinter dir knattert wie ein Maschinengewehr, der Film flimmert unerträglich - da verschwindet plötzlich das Bild - der Film ist gerissen. Ein Scherzwort durchbricht die Stille, die Spannung ist gelöst, Gelächter klingt auf. Dazwischen hörst du Klavierspiel aus dem Lokal herüberklingen, das Stampfen der Pferde aus den Ställen klingt gedämpft hinein, und alle diese Eindrücke vereinigen sich zu einer seltsamen Mischung hetzerischer Unrast und doch gemütvoller Behaglichkeit. Und neigst du dich zurück und blickst empor, so siehst du über dir die Sterne ihre ruhigen Bahnen ziehen, erhaben über alle kleinlich- vergängliche Unrast dieser Welt.